Im Moment des Erschreckens werden aus der Nebennierenrinde Adrenalin
und Noradrenalin über das vegetative Nervensystem in Umlauf gebracht.
Die Amygdala, der Knotenpunkt der Angstreaktion, schickt einen Impuls
an den Hypothalamus, das Corticotropin-Releasing-Hormon auszuschütten.
Dessen Moleküle rasen wieder zu den Nebennieren und setzen dort das
Stresshormon Cortisol frei. Die gesamte Kettenreaktion setzt sich aus
vielen winzigen Schritten zusammen, um möglichst fein regulierbar
zu sein. Ihr Ziel ist es, dem Körper im Moment der Gefahr blitzschnell
zusätzliche Energien zur Verfügung zu stellen. Was aber, wenn
keine Gefahr da ist?
Angst als Gefühlszustand und Konzept ist in unserer Zeit zu einem
allgegenwärtigen Lebenspartner geworden. Ihre Produktion beherrscht
ganze Industriekomplexe und macht sie zu einem modernen Instrument der
Macht, verändert aber auch unsere Wahrnehmung der Gefahr und unsere
Art, mit Angst umzugehen, ohne dass das Leben tatsächlich riskanter
geworden ist. Die Angst hat Hochkonjunktur, die Initiierung immer neuer
Angstinhalte und Angstquellen erzeugte einen historischen Wandlungsprozess
der Angst und schafft ein sich fortwährend wandelndes Konsumverlangen,
um die neuen, vermeintlichen Risiken zu verstehen, einzudämmen, abzuwenden.
Angst als Wirtschaftsfaktor und ihre Kultur gehört zu den wesentlichen
Schrittmachern, zur Überlebensstrategie der spätkapitalistischen
Gesellschaft. Sie gehört zum "Kulturgut", zum Luxus von
Gesellschaften, die den permanenten Überlebenskampf überwunden
oder an die Ränder verdrängt haben.
Was für eine Scheißangst muss Dostojewki gehabt haben,
als er sich sicher sein konnte, dass er hingerichtet werden würde.
Welche Kraft ist daraus geboren? Welche Tiefe wurde dadurch möglich?
Welche Todesangst haben Frauen bei der Geburt ihrer Kinder? Welche Angst
haben Menschen, vor dem undifferenzierten Begriff des Scheiterns?
Das Boxen-Team wird seinen Ängsten angstfrei begegnen und mit Mitteln
der Musik, des Films und der Performance ein Methodenset gegen die Angst
entwickeln! Gewinnen konnte die Performance-Truppe für dieses Vorhaben
den Meister der Paranoia, das Enfant Terrible der Berliner Volksbühne,
einen Ausnahmeschauspieler, der dem Publikum und Filmegucker immer wieder
Angst einflößte: Herbert Fritsch!
Gemeinsam mit Sabrina Zwach wird er durch den 90 minütigen Abend
auf der Suche nach der Angst sein, Angst produzieren, Angst vernichten,
Ängste beschwören und durchleuchten. Die beiden Performer werden
zu Angst-Busters und halten ein Plädoyer für die Liebe!
Konzept und Idee:
Sabrina Zwach
Es spielen:
Herbert Fritsch und Sabrina Zwach
Musik:
Frank Böhle, Steffen Dost, Jan Exner, Ingo Günther
Video / Film / Foto:
Steffen Dost
Angst ist das Organ, durch das jemand sich das Leid zu Herzen nimmt,
es sich aneignet und assimiliert. Es ist die geistige Kraft, mittels derer
sich das Leid in ein Menschenherz hineinbohrt. Die Wirkung derselben ist
aber nicht wie die des Pfeiles, sondern eine successive, nicht ein für
allemal fertige, sondern eine beständig werdende." (Theodor
W. Adorno)
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