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Vorneweg:

Die Selbstdarstellung des BOXEN-TEAM beginnt mit folgenden Worten:
Wir trafen uns Anfang der Neunziger Jahre in den verschiedensten Zusammenhängen. Einige studierten gemeinsam, andere trafen sich immer auf den selben Partys, einige teilten sich den Übungsraum, andere trafen sich auf Konzerten, einige philosophierten regelmäßig über Kunst, andere experimentierten mit Drogen. Wir waren Viele. Zehn junge Menschen, die etwas wollten.
2004 wird dieses Ereignis, die Gründung einer Künstlergruppe zum ersten Mal Nullen: Das heißt, das BOXEN-TEAM feiert sein zehnjähriges Bestehen.
Jubiläen verführen zu großen Ereignissen und Festreihen, Rückblicke und Resümees werden üblicherweise gezogen. Das BOXEN-TEAM möchte seinen Geburtstag jedoch lediglich mit Arbeit begehen, möchte eine weitere Produktion gebären und sich hier in einem größeren inhaltlichen und strukturellen Rahmen bewegen.
Das BOXEN-TEAM hält fest am Kollektiv, am arbeiten mit allergrößtem Engagement, in der sich das Private und das Künstlerische befruchten. Das BOXEN-TEAM behauptet sich als ein Ort der interdisziplinären Feldforschung und des künstlerischen Experiments und dies ist keine Notgedrungenheit, sondern ein bewußter Akt.
Die Mitglieder des BOXEN-TEAMs arbeiten längst in den großen Institutionen (Bremer Theater / Theater an der Ruhr, Mülheim / Deutsches Nationaltheater / Sophiensaele, Berlin etc.), die Arbeit des BOXEN-TEAMs hat dadurch nicht an Relevanz verloren!

Die Grundidee

2004 wird der Mauerfall sein 15. Jubiläum feiern. 15 Jahre werden vergangen sein, seit die letzte deutsche Revolution, wenn auch friedlich, statt gefunden hat. Ein Zeitmaß, das Reflexion ermöglicht.

Das BOXEN-TEAM möchte sich anläßlich seines zehnjährigen Bestehens und des gesamtdeutschen Jubiläums dem Thema Revolution nähern. Hannah Arendt schrieb: „Revolution beruft sich auf Freiheit!“
Und auch die Kunst beruft sich auf diese. Das BOXEN-TEAM widmet sich der Frage, ob Revolution mehr und mehr an die Kunst delegiert wird, ob die Inszenierung von Revolution nicht auch das Ende derselben ist.
Walter Benjamins Diktum, es genüge nicht, den Apparat mit revolutionären Inhalten zu beliefern, sondern es sei nötig, ihn immer zugleich zu verändern, da ja der bürgerliche Apparat jede Menge „revolutionären Stoffs“ assimilieren kann, ist im Hintergrund des Projektes „Radio Revolution “ zu erkennen.


>Brecht hätte es bestimmt besser gefunden, der Rektor zu sein, als das Rektorat zu besetzten<


Für seine nächsten Produktion wird das BOXEN-TEAM recherchieren, wo die deutschen Revolutionäre sind, welche Themen überhaupt revolutionär bearbeitet werden können und welche neuen Mittel und Methoden der Revolution vorstellbar wären.
Im Gedächtnis des BOXEN-TEAMs sind lediglich zwei Revolutionen mehr oder weniger biographisch verankert: Die deutsche Wiedervereinigung und die Auswirkungen der sexuellen Revolution.
Kommt man auf Hannah Arendt zurück, so könnte man die Vermutung äußern, dass ein Höchstmaß an individueller Freiheit längst zu unserer Lebenswirklichkeit geworden ist und somit jegliche Revolution im Keim erstickt wurde oder jeglicher Wille in individuell orientierte Kanäle gelenkt wird.
Dies gilt es zu widerlegen!

Das BOXEN-TEAM wird sich für diesen Zweck auf die Reise machen und den Standort Deutschland auf Revolutionsherde absuchen. Das Reisen im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit ist ein Aspekt, der vom BOXEN-TEAM bei dieser Spurensuche künstlerisch verfolgt werden soll. Die Bilder der Reise entlang der ehemals deutsch-deutschen Grenze sollen mit Hilfe technischer Reproduktionsmitteln dokumentiert und später künstlerisch bearbeitet werden. Die Reiseroute bewegt sich entlang der Elbe zwischen Niedersachsen, Brandenburg bis zur Ostsee.

Die Reise beinhaltet weiter die Erarbeitung der Texte zu „Revolution 04“. Interviews, die in der gesamten Republik gemacht werden sollen, werden das Ausgangsmaterial der szenischen und performativen Arbeit darstellen.
Video, Musik und Theater werden als künstlerische Mittel im Vordergrund stehen. Die tatsächlich vorgenommene Reise durch Deutschland wird dokumentiert, wird künstlerisch umgesetzt und von den Künstlern aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden.

Die Umsetzung

In den neuen Bundesländer konnte ein Koproduzent gefunden werden: Das Theaterhaus Jena. Dieser stellt eine Plattenbauwohnung zur Verfügung. Eine vergleichbare Wohnung wird in Hannover gesucht (sozialer Brennpunkt).
Das Boxen-Team installiert in diesen Räumen jeweils in Zusammenarbeit mit den offenen Kanälen (Offener Kanal Jena/Radio) einen fiktiven Piratensender. Jeder Abend ist eine Radioshow, jeder Abend ist live, jeder Abend bewegt sich im Kontext der deutsch-deutschen Feldforschung. Der Dialog mit dem Publikum (vor Ort und zu Hause an den Geräten) steht dabei im Vordergrund. Das Spiel mit den Räumen (privat und/oder öffentlich und der „Radio-Sende-Raum“) ist dabei von großer Bedeutung.
Gleichzeitig wird die Theatralik von Politik und die politische Dimension von Theater untersucht. Wie werden politische Standpunkte medientauglich gemacht, wie inszeniert sich Politik sind dabei zentralen Fragen. Das Publikum rückt bei „Radio Revolution“ gleichfalls in das Zentrum, denn an ihm und mit ihm wird Feldforschung zum Thema 15 Jahre Mauerfall betrieben werden. Zuhörer des Sendegebietes können sich per Telefon in die Radioshow einbringen, die Zuschauer der Performance vor Ort werden zu Interviewpartnern. Das Boxen-Team schlüpft dabei in die Moderatorenrolle, stellt Fragen, moderiert die verschiedenen Ansichten und Haltungen.
„Radio Revolution“ ist jedoch ebenfalls eine Radioshow, die musikalische Alternativen zum Mainstream bietet und in eigens produzierten Songs und Hörspielsequenzen (Tourerlebnisse und Erfahrungsberichte von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze) ein akustisches Erlebnis bieten wird.
Dies alles wird für den Hörer in einem ca. einstündigen Sendeformat präsentiert, das aus Beiträgen, Songs, Interviews, tagesaktuellem Pressespiegel und dem ersten akustischen Kochstudio bestritten wird.


Die Beteiligten

Frank Böhle, Steffen Dost, Jan Exner, Ingo Günther, Heino Sellhorn

Projektleitung: Sabrina Zwach

Koproduzenten

Das BOXEN-TEAM erarbeitet in der aktuellen Situation ein Konzept, das sich Koproduzenten im Bundesgebiet erhofft. Institutionen und Künstler(-gruppen) sollen hier im gesamten Bundesgebiet als „Reisestationen“ genutzt werden, sollen spätere Orte der Präsentation werden oder Interviewpartner vermitteln.
Das Theaterhaus Jena, der Offene Kanal Jena, Radio Tonkuhle in Hildesheim und das GASWERK Weimar sind bereits feste Kooperationspartner für „Radio Revolution“.

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"USS"

oder
Die Wahrheit über das Leben, den Tod und den ganzen Rest!
Das BOXEN-TEAM bereiste also Japan, machte Erfahrungen als Künstler, als Menschen und als Reisende. Sie haben O-Töne aufgenommen von Märkten und Hotelhallen, haben sich als DJ verdingt und die akustische Welt einer fremden Kultur sinnlich erfahren. Sie sind auf die kleinen Ausleger gestossen, die der SAMURAI im Jetzt und Hier hinterlassen hat und sind ihren Spuren gefolgt.
Ernsthaftigkeit, Konzentration, Wertekodex und Tradition waren unvermittelt zentrale Begriffe in der Auseinandersetzung der Gruppe, dann tauchte diese Frau auf und stellte viele Fragen: Na dann viel Spass, sagte einer, und die Gruppe reiste zurück nach Deutschland!

USS ist eine Produktion von und mit:
Frank Böhle, Steffen Dost,Ingo Günther, Heino Sellhorn, Kim Walterskirchen und Sabrina Zwach

 

Idyllen,

so sind sich nahezu alle ästhetischen Schriften und Manifeste einig, sind minderwertige Visionen einer guten und unwahren Welt. Im 19. Jahrhundert stehen sie im Zentrum von Malerei und Poesie, im 20. Jahrhundert wird schonungslos mit ihnen abgerechnet, bis die Popkultur in ihnen die verlogenen Abbildungen einer zerstörten Gesellschaft erkennt und sie als solche ausstellt. (...)


Die Idealisierung im Pop ist ein Versuch, dem Realen menschliche Seiten abzugewinnen. Je größer das Grauen des Realen ist, um so heftiger muß die Bilderflut der Kulturindustrie anschwellen, die Realitätszusammenhänge anbietet, um die Konsumenten mit ihrem Grauen vor dem Realen nicht allein zu lassen. Zum Arsenal der wirksamsten Verklärungs und Verblendungsmechanismen gehört die Idylle, deren Realitätsgehalt sich in der Fähigkeit manifestiert, das Reale zum Genießbaren hin zu transzendieren.(...)

 
 
Presseerklärung

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde und Kollegen,
liebe Vertreter der regionalen und überregionalen Presse!

Wir freuen uns, dass Sie – dass ihr - so zahlreich unserer Einladung zu einem Pressegespräch gefolgt sind. Sicherlich fragen Sie sich. was wir Ihnen mitzuteilen haben, bestimmt wundern Sie sich, warum das aktuelle Stück des boxen-teams „Deutsche Psyche“ noch nicht begonnen hat. Nun – wir machen es kurz – es gibt kein Stück! Während des Entstehungsprozesses von „Deutscher Psyche“ haben so viele Gespräche stattgefunden, die uns unsere aktuelle Situation verdeutlicht haben, dass wir eine Entscheidung getroffen haben, die unsere Leben verändern wird, doch dazu später!
Wir bedanken uns an dieser Stelle zunächst bei der Niedersächsischen Lottostiftung und dem Land Niedersachsen für das Vertrauen und die finanzielle Unterstützung, die uns in den letzten 5 Jahren zu teil wurde. Die Stadt Hildesheim hat uns nie unterstützt, doch auch ihr danken wir!
Tatsächlich ist es so, dass wir uns ab heute von der Theaterszene verabschieden wollen. Wir wollen aber heute noch eine schöne Stunde mit Ihnen erleben, erklären, wie es dazu kam.
Unsere Koffer sind jedoch schon gepackt, von unseren Freunden haben wir uns schon verabschiedet, die nächste Station des boxen-teams ist Griechenland, genauer gesagt: ITHAKA!
Doch wollen wir Sie heute nicht nur vor vollendete Tatsachen stellen, sondern wollen nun den Prozeß unserer Entscheidung verdeutlichen und vorstellen. Wir bieten Ihnen dazu Musik und Texte, die in den letzten 5 Jahren entstanden sind oder aber die aktuell erarbeitet wurden. Wir präsentieren Ihnen eine Art boxen-team-Remix, Sie haben Eintritt bezahlt und sollen etwas dafür bekommen. Wir wünschen Ihnen also im weiteren Verlauf viel Spaß!